Geschichten basteln - Teil 1
Eine Weltenbeschreibung gibt eine gute Grundlage für eine Geschichte, aber die
Geschichte ergibt sich nicht zwangsläufig.
Es existieren verschiedene Theorien, wie eine Geschichte grundsätzlich
aufzubauen ist. Eine dieser Theorien teilt eine Geschichte in drei Teile auf:
Einleitung, Hauptteil und Schluß.
In der Einleitung wird der Leser neugierig gemacht, die wichtigen Charaktere werden
eingeführt und schließlich erfolgt der Wendepunkt, an dem die Geschichte
richtig losgeht. Was es mit diesem Wendepunkt auf sich hat, dazu später mehr.
Im Verlaufe des Hauptteils müssen der oder die Charaktere die Probleme
lösen, die sich aus dem ersten Wendepunkt ergeben. Zum Ende des Hauptteils, dem
zweiten Wendepunkt, ist genau diese Lösung nahe. Der Schluß konzentriert
sich auf die Herbeiführung dieser Lösung.
Die meisten Geschichten - wenigstens jene, die unterhalten wollen - folgen diesem
Aufbau.
Leiden soll er!
Oder auch sie. Gemeint ist der Charakter, der die Geschichte in der Hauptsache
bestimmt. Ein Charakter, der Anteilnahme bei dem Leser hervorruft, ist nicht einfach
zu schaffen und gewiß nicht für jeden Leser gleich interessant. Das Wort
Anteilnahme ist sehr wichtig, denn es bedeutet, dass eine Hauptfigur nicht unbedingt
positiv aufgenommen werden muss. Ganz im Gegenteil. Wer die Figur des Ebenezer
Scrooge aus Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte kennt, versteht, was ich
meine.
Scrooge ist ein hartherziges Ekelpaket erster Güte und das ist mit voller
Absicht so. Denn genau diese Charaktereigenschaften bilden die Grundlage für
den ersten Wendepunkt. Sein alter, toter Geschäftspartner erscheint und
hält ihm vor Augen, was sein Ende für ihn bereithalten wird. Der Hauptteil
der Geschichte erzählt die Begegnungen mit den Geistern der Weihnacht. Diese
Begegnungen steuern auf den nächsten Wendepunkt zu, der spätestens dann
erreicht wird, wenn Scrooge sein eigenes Grab vorgeführt bekommt. Durch seinen
Leidensweg gelangt Scrooge schließlich an das Ziel der Geschichte: seinen
Wandel zu einem besseren Menschen.
[ >>Teil 2 ]

