Die Gliederpuppe
Otto Normalzeichner kann sich kein Modell als Vorlage für Zeichnungen leisten. (Na, fast nicht, aber
dazu kommen wir später.) Zeichentrick-Produktionen wie Heavy Metal 2 haben Julie Strain als Vorbild,
Disney ließ für den König der Löwen ein waschechtes Exemplar dieser Gattung im Studio
Hof halten. Unsereins bleibt dazu allenfalls der Gang in den Zoo.
Für menschlichere Figuren allerdings hilft die Gliederpuppe, die in Künstlerfachgeschäften,
manchmal auch in Kaufhäusern zu finden ist. Sie sollte immer noch einigermaßen preiswert sein.
Mit ihr lassen sich vielerlei Haltungen ausprobieren (und sie zeigt auch nach stundenlangem Stehen
keinerlei Ermüdungserscheinungen). Das kann wichtig sein, denn es scheint ein Phänomen zu
sein, dass Figuren, in bestimmten Haltungen zu Papier gebracht, seltsam erscheinen. Eine Gliederpuppe
hilft, diese Perspektiven zu erforschen. Nach dem Motto: Wo bleibt eigentlich der Arm, wenn jemand den
Rücken krümmt, ihn gleichzeitig zur Seite neigt ...
Ein Tipp:
Alte Action-Figuren (früher hießen sie Big Jim, heute Action Man o.ä.) tun es
auch dafür. Wichtig ist nur, dass sich die Gelenke alle bewegen lassen, um halbwegs natürliche
Haltungen zu erzeugen. Auch sollten sie eine Mindestgröße von 30 cm haben. Zum Teil lassen sich
durch die verschiedene Kleidung sogar Studien am Faltenwurf von Stoffen in begrenztem Unfang machen.

