Das Dorf der Longears
Das Dorf von Hutzel Longear liegt im Herzen der Insel versteckt. Große Baukunst haben die Longears nie
entwickelt. Für solches Ansinnen gibt ihre Insel kein Material her. Ihre Schnitzereien sind primitiv
und skizzenhaft. Aber ähnlich nebulös und grobschlächtig sehen sie ihre Götter. Mehrere
Pfade führen vom Dorf zu einem kleinen Hafen, wo sich in ähnlichen Bauten Fischer angesiedelt
haben, die das Inselinnere nicht sehr schätzen. Die kleine Rivalität der beiden Gruppen wird bei
Bedrohungen sofort vergessen.
Bedrohungen in Form von Feinden sind allerdings recht selten. Vor vielen Jahren haben sich einmal Piraten an
der Küste blicken lassen. Sie dachten, sie könnten den Fischern aus dem kleinen Küstendorf
wenigstens ihren Fang abjagen, doch was ist ein Volk in diesen Tagen ohne seine Götter!
Der Vulkangott tobte und spuckte glühende Gesteinsbrocken auf das Piratenschiff und versenkte es mit
Mann und Maus. Anschließend gab es eines jener berüchtigten Feste der Longears, alkoholische
Säfte flossen in Strömen und - wie kann es anders sein - die Ältesten der beiden Dörfer
erklärten diesen Tag zum Feiertag.
Der Totempfahl verdeutlicht die Ängste der Longears. Greifvögel, welche die kleinen Dorfbewohner
vom Erdboden pflücken, sind verhasst. Und ein großes Gebiss bereitet ihnen besonders viel Furcht.
Der geschnitzte Longear, der über allem thront, zeigt auch, dass sie ihrer Furcht entgegentreten.
Hutzel Longear selber bewohnt die vordere Hütte in der zweiten Generation. So ist sie schon ein wenig
windschief. Auch der große Vulkan auf der Insel hat sie schon in Brand gesetzt.
Die Lichtung, auf der sich das Dorf befindet, ist, von hoch oben betrachtet, recht klein. Viel Blatt- und
Astwerk der großen, alten Bäume verdeckt Teile des Dorfplatzes. Allabendlich nutzen die Longears
den natürlichen Sichtschutz für Zusammenkünfte unter freiem Himmel, Klatsch und Tratsch, einem
Gläschen vom besten Saft und einem Pfeifchen. (Dabei gibt es unter den Longears auch keine
Geschlechtsunterschiede!) Da Hutzels Hütte direkt am Dorfplatz gelegen ist, schenkt er an der Tür
manchmal Doorek* aus, ein schnapsähnliches Getränk. (*Ein Name, der aus einem
Rülpsgeräusch entstanden ist. - Anmerkung des Übersetzers)



Toubens Gerüchte: »Als ehemaliger Händler bin ich weit im
Reiche herumgekommen. Ich war auch an unseren Küsten in Tomcall und Omroria. Dort hat niemand etwas von
diesen seltsamen Longears gehört. Aber ... ich habe einen von diesen Zwergen getroffen! Mir entgeht
nichts. Sie sind fürchterlich behaart und haben richtige Klauen an den Händen, um sich einbuddeln
zu können. Weil sie unter der Erde wohnen, sind sie auch ziemlich dreckig und stinken ... Was seht Ihr
mich so an! ICH benutze täglich den Badezuber unten im Gasthaus! - Ich bin der Meinung, dass diese
Longears Verwandte unserer Sklaven, dieser Bjo'Erks, sind. Ganz sicher kann man sich da zwar nie sein, zumal
diese Longears sprechen können. Ich kann Euch sagen, sie hören sich an wie ein Sägeblatt, das
über einen meterdicken Baumstamm streicht. Und sie sind gefährlich! Ich wollte diesen Zwerg
anfassen, um zu sehen, ob ich träume, da schlug er auf mich ein, kratzte, trat und biss. Noch Tage
später fürchtete ich, dieser Zwerg habe mich mit seinen Bissen vergiftet.«