Touben
Touben ist ein Erzähler, ein Tunichtgut, ein Tausendsassa und ein Dreggen, der
wohl mehr Glück als Verstand in seinem Leben gehabt hat. In seiner Heimat, dem
Leuchtenden Hort, der Hauptstadt des Dreggen-Reiches, und im Umland lebt er von
einem Tag zum nächsten und sperrt stets die Ohren auf.
Erlebnisse und Geschichten von Wanderern und Kriegern sind ihm das Liebste. Er
lauscht ihnen gerne und verwendet die Fakten als Bestandteile seiner eigenen
Lügengeschichten. - Das war nicht immer so!
Es gab Zeiten, da zog Touben selber durch die Lande, benahm sich wie ein rechter
Abenteurer und sah vieles Getier, Völker und so manchen Landstrich im Reiche
der Dreggen. Er wollte einst in der Armee dienen, was ihm jedoch wegen eines Unfalls
versagt blieb. So humpelte er durch die Lande, bis er eines Tages zu alt wurde (wie
er meinte) und eine unerklärliche Angst ihn dazu anhielt, den Leuchtenden Hort
nicht mehr zu verlassen.
Er freundete sich mit einigen wenigen Nachbarn an, so auch mit einem Jäger, der
ihm immer wieder das Neueste aus dem Umland und der Wildnis erzählte. So erfuhr
er von unheimlichen Vorkommnissen, von ungewöhnlichen Aufträgen, die den
Jägern angetragen wurden, er erfuhr von riesigen Tieren und Göttern, deren
Namen er bis dahin noch nie gehört hatte.
Bislang hatte er sich im Verborgenen aufgehalten und geschaut, wo er etwas für
seinen Lebensunterhalt auftreiben konnte, manchmal hatte er sogar gebettelt. Diese
vielen Gerüchte, die ihm zugetragen wurden, brachten ihn auf eine Idee.
Touben wusste zu allen Zeiten, dass seine Stimme die Zuhörer stets beeindruckte
- was nicht gleichzeitig auch bedeutete, dass sie seine Stimme auch mochten. Touben
klang für manchen wie ein Halsabschneider.
Aus früherer Zeit wusste Touben noch, dass Ziele gab, für es sich lohnte,
ein Risiko einzugehen. Also dachte er sich Geschichten aus. Er erprobte sie in
Schenken und Tavernen, schnorrte neuen Gesichtern unter den Gästen einen oder
zwei Humpen ab und erzählte ihnen das Blaue vom Himmel. Schließlich
unterhielt er ganze Säle voller Besucher, was ihm auch Münzen einbrachte.
Toubens Leben verbesserte sich zusehends.
Irgendwann machte sich Touben wieder auf den Weg. Der große Wendepunkt in
seinem Leben kam mit dem
Erzählerwettstreit in
Chalia-Isla. Nie hätte er gedacht, dass für ihn das Leben wieder
lebenswert werden würde.
Doch manchmal denkt er an die Zeit zurück, als die unerklärliche Angst ihn
ereilte. Dann wirft er einen Blick über die Schulter, um zu sehen, ob . . .
Aber das ist eine andere Geschichte.


