Kleiner Täuscher
Dieser kleine Jäger ist der harmloseste Vertreter der Gattung Täuscher. Er
hat sich auf meist unbewegliche Kost spezialisiert: Eier, Jungtiere, langsame
Insekten. Einem ausgewachsenen Dreggen recht ein Kleiner Täuscher gerade bis zu
den Knien, weshalb er niemandem Angst einjagt - es sei denn, er wird von unkundigen
Wanderern mit größeren Täuschern verwechselt.
Ansonsten kommt es schon vor, dass der Kleine Täuscher selber zur Beute wird.
Allerdings nicht oft. Anders als bei seinen größßeren Verwandten
beherrscht der Kleine Täuscher die Imitation einer Pflanze perfekt. So
verströmt er keinen tierischen Geruch, der bei dem
Gigantischen und dem
Großen Täuscher stets so
verräterisch wirkt. Für den Kleinen Täuscher ist diese Imitation die
einzige wirksame Verteidigung. Eine Flucht kommt wegen seiner langsamen Fortbewegung
nicht in Betracht. Zwar ist er in der Lage, auf Bäume zu klettern, doch ehe er
eine sichere Höhe erreichen kann, haben Verfolger ihn schon eingeholt.
Kleine Täuscher sind im Dreggen-Reich ziemlich bekannt. In einigen Gegenden
wurden sie sogar wegen ihrer Anspruchslosigkeit als Haustiere gehalten. Sie
verströmen keinen Geruch, fressen nahezu alles, was nur klein genug ist und
brauchen wenig Platz. Sie scheinen wie der
Gigantische Täuscher zufrieden zu
sein, wenn sie sich so wenig wie möglich bewegen müssen.
Was ihnen zugute gehalten wird, wird ihnen auch schnell zur Last gelegt: Kindern
sind sie als Haustiere auf Dauer viel zu langweilig. So haben sie sich wenigstens in
landwirtschaftlichen Höfen bewährt, wo sie in Kornkammern gehalten werden.
Hier fallen ihnen Insekten und andere Schädlinge zum Opfer. Bauern züchten
Kleine Täuscher sogar. Hierzu haben sich verschiedene Methoden durchgesetzt,
die jedoch stets verheimlicht werden. - Die Städter glauben, dass es einen
wichtigen Grund dafür gibt und es gibt viele Gerüchte darüber.
Der Kleine Täuscher existiert in mannigfaltigen farblichen Ausprägungen.
Es ist sein Pech, dass einige seiner Tarnfarben modisch überaus beliebt sind,
besonders zu Festen. Sein Glück, dass seine Imitation als Pflanze ihm oft das
Leben rettet.
Eine weitere wichtige Eigenschaft ist sein außergewöhnlich gutes
Gehör, was ihm besonders bei der Jagd auf Insekten hilft. Mehrere Schlappohren
versetzen ihn ebenfalls in die Lage, einen tölpelhaften Jäger lange vorher
zu hören. Das hilft ihm zwar bei Dreggen, doch bei Raubtieren nützt diese
Fähigkeit nicht mehr viel.


