Die große Mutter
Eigentlich ist die große Mutter eine schöne Frau, aber das kann sich zuweilen
ändern. Sie ist die Herrin der Vampirelfen, eines streng matriarchalisch organisierten
Volkes. Ihr Alter ist kaum zu bestimmen - wie bei anderen Vampirelfen auch. Mitunter haftet gerade
der großen Mutter ein Hauch von Unsterblichkeit an, weil sie zahlreiche Angehörige
ihres Volkes bereits überlebt hat. Doch auch sie weiß, dass sie älter ist, als es
für eine Vampirelfe normal ist. Ihre Aufgabe im Kampf gegen die Eisriesen hält sie am
Leben.
Mit zunehmendem Alter sind ihre Gefühle zwiespältiger geworden. In jüngeren Jahren
hatte sie das angeborene großartige Selbstbewußtsein ihres Volkes. Später, mit
der Erfahrung eines langen Lebens behaftet, schwand die Selbstsicherheit auf ein gesundes
Maß. Sie erkannte Fehler, die sie einst gemacht hatte. Und sie schalt sich eine
Närrin.
Einer ihrer größten Fehler war auch ihr größtes Glück. Niemals
hätte sie sich dazu herablassen dürfen, eine Liaison mit dem Zauberer Tshenja'Nat
einzugehen. Andererseits trug diese Verbindung Früchte, die sie sich nie erträumt
hätte: Ihre Töchter Feeial und Feeiel. Beide so gegensätzlichen Charakters und sich
doch so ählich. Diese beiden würden ihre Erben sein und das Volk der Vampirelfen in eine
glorreiche Zukunft führen. So war es ihr geweissagt worden. Die Ahnen logen nicht.
Die letzten Jahre hatte die große Mutter damit verbracht, zu warten. Sie wußte, wann
die Zeit reif sein würde. Die Jahre gingen nur langsam vorüber, schmerzhaft langsam. In
dieser Zeit sorgte sie sich unentwegt, immer mit dem Wissen, dass ihr anderes blieb als zu warten.
Doch die Zeitenwende näherte sich und ihre Energie kehrte zurück. Sie plante,
organisierte ihren Stamm, bereitete ihn auf einen Krieg vor und erwählte sich sogar einen
Liebhaber.
Nun, da die Weissagungen und Visionen sich erfüllen, ist sie wieder voller Leben und
Tatendrang. Bald schon trifft der angekündigte Krieger ein. Sie kann es kaum erwarten.


