Gefahren - Teil 1 von 5
Nahe Hilmogore, einem im Grenzland gelegenen Lehen eines hoch angesehenen Kriegers
der Dreggen, befand sich Wakassi in einer äußerst misslichen Lage. Kurz
vor Morgengrauen war er aufgewacht, als Chiar, sein treues Tokkre, ihm ins Gesicht
schnaubte. Der vorangegangene Tag war lang gewesen, die letzten Wochen
entbehrungsreicher als jemals zuvor. Wakassi hatte diesen Morgen einfach dazu
verwenden wollen, einmal auszuschlafen. Chiar musste nicht gefüttert werden,
denn das erfahrene Tier besorgte sich sein Futter selbst an den verschiedenen
Sträuchern, wo es Beeren und Blätter abrupfte.
Wakassi war sich nicht sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, einfach weiter
zu schlafen. Gewiß hätte er so der Gefahr bestimmt auch entgehen
können, denn die achtbeinigen Flüssigfresser dieser Umgegend machten sich
nichts aus großen Tieren. Und Wakassi vom Stamme der S'Tamone würde von
ihnen nicht anders betrachtet werden. Er hatte schlicht im Weg gelegen und anstatt
ihn zu umgehen, hatte das Krabbeltier die Schulter erklommen, um so einen Weg zu
finden. Das Problem war jedoch, dass Flüssigfresser mit ihrem Fangbiß ein
Gift absonderten, das auch großen Tieren gefährlich werden konnte,
vielleicht sogar tödlich wirkte.
Inzwischen war die Sonne aufgegangen und der Krabbler hatte es sich sogar auf der
Schulter von Wakassi gemütlich gemacht. Die Körperwärme des Kriegers
musste ihm gefallen, dazu kamen die wärmenden Strahlen der Sonne. Wieviel
wohler konnte die Umgebung eines Krabblers sein? Als Wakassi merkte, dass der
Flüssigfresser nicht von selbst das Weite suchen würde, entschloss er
sich, das Tier zu verscheuchen. Es dauerte den halben Morgen, bis Wakassi auf den
Beinen stand und sein Messer gezogen hatte. Die Langsamkeit der Bewegungen hatten
dafür gesorgt, dass das Tier zu keiner Reaktion provoziert worden war.
Natürlich würde sich das Tier erschrecken, aber bis auf ein gewisses
Maß musste Wakassi auch an sich denken. Mit der flachen Seite seines Messers
schnippste er den Flüssigfresser weg. Wie erwartet schüttelte sich das
Tier nach seiner harten Landung kurz, bevor es wieder sicheren Schrittes im
Gestrüpp verschwand. Für diesen Tag hatte es wohl genügend
Sonnenwärme aufgenommen.
Wakassi lächelte, gähnte ausgiebig, steckte das Messer weg und begann, ein
verspätetes Frühstück zu richten.
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