Der Stamm des Blutes - Teil 5 von 5
»Die Prophezeiung, von der ich spreche, kleiner Mann, ist uralt. Wisse, dass
der Stamm des Blutes Hüter von Weissagungen ist. Wir bewahren sie und warten.
Wichtig sind uns jene, die uns betreffen. Wir wissen, den Vampirelfen steht ein
Kampf bevor, den sie alleine nicht bestreiten können.«
»Vampirelfen?«
»So nennen uns die Legenden und das gemeine Volk, andere wiederum haben keinen
Namen für uns. Sie fürchten uns nur.« Sie lächelte einmal mehr
und zeigte ihm lange Eckzähne.
»Ich habe aber nichts mit euren Kämpfen zu schaffen« sagte Hutzel
nun vorsichtiger.
»Deine Aufgabe ist weitaus wichtiger als deine Kampfeskraft. Du wirst als
Mittler zwischen den Völkern dienen, zwischen jenen, die sich seit Urzeiten als
Feinde gegenüber stehen. Hast du die Kälte bemerkt?« Die Große
Mutter umfasste in einer ausholenden Geste die Umgebung um sich herum. »Wir
wissen nicht wieso, doch besonders die Nächte sind bereits bitterkalt. Diese
Kälte erlaubt alten Feinden ihre angestammten Gebiete zu verlassen und in
unsere einzudringen. Gemessen an ihrer Zahl sind wir nur wenige.«
Der kleine Krieger hatte genug gehört. »Ich weiß nichts von Feinden
und will auch nichts von ihnen wissen. Seit ich in diesem Land bin, muss ich mich
verstecken, werde gefangen und gejagt. Es ist nichts gutes an diesem Land.
Irgendwohin hat man mein Volk verschleppt. Mein einziger Wunsch ist es, es zu
finden. Die Spur zu ihnen ist dürftig und kalt. Nichts will ich mehr, als mein
Volk wieder in die Freiheit zu führen. Eure Feinde kümmern mich
nicht!«
Der Gesichtsausdruck der Großen Mutter war vielsagend und undurchdringlich.
»Du hast einen langen Weg hinter dir, kleiner Mann. Meine Worte erreichen dich
jetzt nicht, aber vielleicht morgen. Wir bieten dir ein Lager für die Nacht an.
Wenn es dann immer noch dein Wunsch ist, werden meine Töchter Feeial und Feeiel
dich begleiten, wohin du möchtest.« Sie nickte Feeial zu, die zuvor still
beiseite getreten war. »Bitte nimm unseren traditionellen Willkommenstrunk
an.«
Hutzel nahm die von Feeial dargebotene Schale dankbar entgegen. Er war
tatsächlich durstig. Es war ein kaltes und bitteres Gebräu, doch es
erfrischte ihn. Als der kleine Krieger ausgetrunken hatte, leckte er sich die Lippen
- bevor es dunkel um ihn wurde.
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