Der Stamm des Blutes - Teil 4 von 5
Zuallerst sah Hutzel Longear den Rücken der Großen Mutter. Ihre
gebückte Haltung wurde durch einen grellen roten Umhang verdeckt, der, wenn der
kleine Krieger seine bisherigen Beobachtungen richtig deutete, ein offizielles
Kleidungsstück dieses Stammes war. Die Große Mutter schnaufte und
bedeckte ihr Gesicht. Sie schrie nicht mehr. Selbst Feeial, die neben Hutzel stand,
nahm diesen Umstand erleichtert zur Kenntnis.
Schließlich wandte sich das Stammesoberhaupt zu ihnen um. Sie blickte die vier
Ankömmlinge aufmerksam an. Feeial neigte das Haupt zur Begrüßung.
Ihre Schwester Feeiel hielt sich im Hintergrund. Ihr Nicken fiel knapper aus und
schnell drehte sie sich um. Sie verließ die anderen.
Hutzel bemerkte es nicht. Der Anblick der fürstlichen, schlanken Erscheinung
der Großen Mutter nahm ihn zu sehr gefangen. Als sie ihm ihre Aufmerksamkeit
zuwandte, tat er es Feeial nach und senkte den Kopf zur Begrüßung.
Seltsamerweise verhielt sich Keinfussabhand still. Er starrte die Frau nur
an.
»Nun, ich grüße dich, kleiner Mann. Du ahnst nicht, wie lange wir
auf dich gewartet haben.«
Ihr schrilles Geschrei hatte den kleinen Krieger nicht auf ihre tiefe wohlklingende
Stimme vorbereitet. Ihr angenehmer Klang beruhigte ihn sofort. Keinfussabhand jedoch
rückte näher an ihn heran. Der Walddämon schien nicht überzeugt,
dass keine Gefahr drohte. Zögerlich legte Hutzel dem grünen Gefährten
eine Hand auf den Rücken.
»Warum bist du hier?« Die Große Mutter musterte den kleinen
Krieger eindringlich. »Was führt dich zum Stamm des Blutes? Wir haben
selten Gäste.«
Hutzel reagierte instinktiv. »Ihr erwartet mich und fragt, warum ich hier
bin?« Der kleine Krieger schüttelte mit ehrlicher Ratlosigkeit den Kopf.
»Eigentlich sollte ich überhaupt nicht hier sein«, fuhr Hutzel
fort, »aber ich habe die Spur meines Volkes verloren. Die Gesellschaft dieser
Kriegerinnen schien mir eine Gelegenheit, friedlicher zu reisen.«
»Ein Krieger, der sein Volk sucht, wurde uns angekündigt.« Die
Große Mutter lächelte. »Ich hatte ihn mir größer
vorgestellt. Doch so sind Prophezeiungen eben. Ungenau. Wir werden den Zeichen
vertrauen müssen.«
Hutzel trat einen Schritt zurück. Unwirsch entgegnete er: »Ich weiß
nichts von einer Prophezeiung und bin gewiß kein Teil von einer!«
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