Der Stamm des Blutes - Teil 3 von 5
Der kleine Krieger betrachtete seine Umgebung mit gemischten Gefühlen. Mit einem Mal schien
die Stimmung in seiner Umgebung sich geändert zu haben. Die Geräusche klangen anders,
dumpfer, tiefer. Die Gerüche hatten an Intensität zugenommen, sie benebelten seine Sinne
wie in einem Rausch. Die gesamte Atmosphäre war angespannt. Selbst Feeial, die dieses Areal
ihr Heim nannte, bewegte sich, wie Hutzel erstaunt bemerkte, zunehmend kraftloser.
Was der kleine Krieger dann hörte, jagte ihm einen eisigen Schauer über den Rücken.
Obwohl es hier wärmer war als in so manchem Landstrich, den sie auf ihrer Reise passiert
hatten, meinte er andererseits einen Gletscher in seinen Eingeweiden zu spüren, der so kalt
war, dass seine Organe daran hafteten. Das Brüllen würde ihn in seinen dunkelsten
Träumen verfolgen, soviel ahnte Hutzel bereits jetzt.
Er warf einen Blick auf seine Begleiterin, die ihm, so sollte es wohl gemeint sein, ein
aufmunterndes Lächeln zuwarf. Aber Feeial musste um seine Gefühle wissen, oder sie
wenigstens richtig einschätzen, denn ihr Lächeln wirkte verkrampft.
»Was war das?« Seine Besorgnis war nicht zu überhören und bewog den hinter
ihnen drein hüpfenden Walddämonen, sich dem kleinen Krieger vorsorglich
anzunähern.
Feeial wollte ehrlich sein. »Meine Mutter ... Mitunter hat sie einen Wutanfall. Und das
offenbart bei uns, nun, wie soll ich es dir sagen? Das ist der Stamm des Blutes, kleiner Mann.
Dieser Name symbolisiert die wahre Natur meines Volkes. - Deshalb fürchtet man
uns.«
»Ich habe vorher noch nie von euch gehört«, rief Hutzel nun gegen die
Lautstärke der großen Mutter an. Das Gespräch half ihm, sich von seinen
Gefühlen abzulenken. Gleichwohl hielt diese Ablenkung nicht lange an. Die Herrin vom Stamm
des Blutes schrie wie eine Irre.
»Es tut mir leid«, sagte Feeial. »Ich wollte nicht, dass du sie so kennenlernst.
Sie freut sich auf dich. Sei gewiß, sobald sie deiner ansichtig wird, wird sich ihre Laune
schlagartig bessern.«
Der Klaps auf seinen Rücken, den sie ihm gab, fiel wenig aufmunternd aus. Während der
ganzen Zeit war Feeiel unbeeindruckt voran geschritten. Just in diesem Augenblick drehte sie den
Kopf zu dem kleinen Krieger um. - In diesem Land wurde zuviel gelächelt, befand Hutzel, und
seine Erfahrung lehrte ihn, dass jedem Lächeln nur mit allergrößter Vorsicht
begegnet werden sollte. Feeiels Lächeln jedoch war eindeutig. Sie versprach ihm das kalte
Grauen.
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