Der Stamm des Blutes - Teil 2 von 5
Feeial strebte auf eine bestimmte Stelle des wuchernden Gestrüpps zu. Eine kleine
Fingerbewegung nur war nötig, um einen starken gebogenen Ast auszuhaken. Dieser riß,
wie erst jetzt zu erkennen war, ein kunstvolles Geflecht aus frischem Geäst und
Lianengewächs mit sich in die Höhe. Hinter der Öffnung wurde der Blick frei auf
einen riesenhaften steinernen Kopf, von dessen Haupt sich eine Wächterin auf den Boden herab
schwang.
»Ihr bewegt euch wie eine Herde Grumpfs durch das Unterholz!« tadelte die
Wächterin.
»Wir wollten dich nur wecken!« keifte Feeiel humorlos zurück. Sie schritt voran
an den anderen vorbei und wagte es sogar, den Waldämonen zur Seite zu stoßen. Dieser
schnaufte ob ihrer rüden Art, hielt sich aber gehorsam an der Seite des kleinen Kriegers.
Feeial senkte kurz resignierend den Blick.
Auf ihrem weiteren Weg durch das Gebiet der Vampirelfen passierten sie noch viele
Beobachtungsposten. Manche waren sehr versteckt, und Hutzel bemerkte sie erst, als Feeial die
Wächterinnen im Vorübergehen ansprach. Andere Wachen gaben sich weitaus weniger
Mühe und wiesen den Reisenden fröhlich lachend den Weg.
»Lachen die über mich?« fragte Hutzel. Aber sein Stolz war keineswegs verletzt.
Dafür war die Situation zu seltsam.
»Ein wenig vielleicht«, entgegnete Feeial. »Nimm es nicht zu ernst.«
»Nein, keine Sorge.«
»Siehst du dort vorne den schwachen goldenen Schimmer?« wechselte Feeial das Thema.
»Das ist eines unserer heiligen Feuer. Dort lebt mein Volk.«
»Wäre es nicht an der Zeit, mir zu sagen, welchem Volk du - ihr angehört? So nahe
am Ziel?«
Feeial lächelte. »Mein Volk ist der Stamm des Blutes, kleiner Mann. Im Reich der
Dreggen und bei den Katzen ranken sich Legenden um uns - und sie sind alle wahr. Und heute hast du
das große Glück unsere Mutter kennen zu lernen.«
Waren es die Schatten der Bäume, die Feeials Gesicht düsterer aussehen ließen,
oder saß der kleine Krieger einer Sinnestäuschung auf. Hutzel hoffte auf letzteres.
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