Die Rettung - Teil 1 von 2
Vor Rotans Augen lichtete sich der Schleier des Todes langsam. Das Schattenwesen lächelte ihn noch
einmal an, drehte sich dann in eine nebelumwölkte Finsternis um und entschwand.
»Das Leben kehrt zu dir zurück, alter Mann.«
Die Stimme? Diese Stimme, er hatte sie bereits gehört. Eine dunkelweiche Stimme, jedes Wort wurde
mit Bestimmtheit gesprochen, ein wenig abgehackt, als sei es nicht die Muttersprache. Die Stimme war
schön. Ein alptraumhaftes Bild schüttelte Rotan. Vor ihm in der Luft hing eine rote
Schädelmaske, die ihn mit toten Augen anstarrte. Atmen, er hatte nicht mehr atmen können, bis
das Licht kam und den Tod von seinem schwarzen Fando abgeworfen hatte. Ja, das Licht, grünblau
hatte es die Nacht erhellt, alles überstrahlt, die Luft gereinigt.
»Das Leben besiegt den Tod. Merke es dir, alter Mann«, wisperte die Stimme in Rotans Ohren
unablässig. »Nichts ist stärker als das Leben - aber du musst es wollen, musst es
lieben!« Die Stimme verlor sich im Raum. »Wenn du es nicht liebst, kann ich nichts für
dich tun.«
In der Gasse war der Angreifer von den Strahlen durchbohrt worden, lautlos, unwiderruflich. Das Licht
hatte Rotan getroffen. Als der Attentäter fiel, hatte diese junge Frau vor ihm gestanden. Ihr
Gesicht noch vom Zorn verhüllt, hatte sie ihn mit Leichtigkeit vom Boden hoch gehoben und
fortgeschleppt. Dann verlor sich wieder alles in Dunkelheit.
In Rotans Hals kratzte es, und seine Lippen waren vor Trockenheit aufgesprungen. Er wollte ein Wort
sagen, das Leben bejahen, doch noch wurde es ihm von dem in ihm wütenden Gift versagt. Ein Becher
wurde an seinen Mund gehalten.
»Trink das«, sagte Nedani nun lächelnd. »Es wird dir bald besser
gehen.«
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