Die Prophezeiung - Teil 5 von 5
Das Dunkel der Umgebung wich der Aussicht auf eine riesige Gestalt,
größer noch als der einäugige Riese, dem Hutzel unlängst
begegnet war: König Dreggen Soi II.
Das Gesicht hätte der kleine Krieger unter hunderten wiedererkannt. Er
erinnerte sich an seine Wut im Thronsaal und sein unbedachtes Vorgehen. Sogleich war
auch das dämonische Wesen wieder vor seinem geistigen Auge zu sehen, dessen
Haut in Flammen aufgehen konnte, ohne das Wesen selbst zu verletzen. Zeitlich lag
dieses Erlebnis noch nicht lange zurück, doch Hutzel empfand es so, als seien
Monate, wenn nicht gar Jahre seither vergangen. Dieser König war daran schuld.
Längst hätte der kleine Krieger seinem Volk viel näher sein
können, hätte er seine Zeit nicht mit fremden Kriegern, Katzen, Vampirelfen und
Walddämonen verschwendet.
Der Blick auf den König war aus Hutzels Sicht seltsam. Er konnte ihn sehen,
aber nicht hören. Vor dem kleinen Krieger spielte sich eine Szene ab, von der
er nur einen Bruchteil sehen konnte. Der König saß ganz offensichtlich
auf seinem Thron und seiner Miene nach zu urteilen, war er sehr zornig. Seine Gesten
waren ausgreifend, eine Hand fuhr beständig wie zum Schlag herab, oder der
König ballte sie, als zerquetsche er lästiges Getier. Hutzel streckte
ebenfalls eine Hand nach dem König aus und stellte erstaunt fest, dass seine
Hand durch das Bild glitt wie durch eine Wasseroberfläche. Aber das Bild
blieb klar, ohne zu verschwimmen.
Plötzlich wurden dem kleinen Krieger all seine Reisestationen noch einmal in
das Gedächtnis gerufen. Der Fall, Lorus, der Einäugige, Larus, der riesige
Krieger, Eisriesen, eine ganze hungrige Armee und nun das bekannte Gesicht des
Königs, der ihn gefangen genommen hatte. Schwierigkeiten, nichts als
Schwierigkeiten! Sollte das eine Verheißung einer Zukunft sein? Riesen und
Monstren und rachsüchtige Monarchen? Das war furchtbar. Schlimmer noch als die
Vergangenheit und die Verschleppung seines Volkes. Da erklangen Stimmen in Hutzels
Geist. Und besonders eine gewann zunehmend an Kraft. Der kleine Krieger
identifizierte sie als die Stimme der Dorfhexe.
»Gib nicht auf!« flüsterte es ein ums andere Mal in seinem Kopf.
»Gib nicht auf!«
Es kam nicht darauf an, ob er wirklich hörte, was er hörte. Wichtig war
nur, was es in ihm auslöste: Mut, innere Stärke.
»Und denk nach!«
Nachdenken war nicht immer die Sache eines Kriegers. Hutzel wollte diesen Alptraum
beenden. Ohne zu überlegen, nahm er einen kurzen Anlauf, sprang und tauchte in
das Abbild des Königs ein. Und ganz so als sei er in ein tiefes Gewässer
gesprungen, verschwand er. Von ganz weit her ertönten andere Stimmen.
»Er wacht auf.«
»Er kommt zu uns zurück.«
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