Die Prophezeiung - Teil 3 von 5
Der Flug durch die Dunkelheit schien eine Ewigkeit anzudauern. Fast hatte sich der
kleine Krieger schon daran gewöhnt, da wandelte sich der Flug in einen nicht
enden wollenden Sturz, der Hutzels Magen rebellieren ließ. Am Ende fing ihn
ein weicher Untergrund auf, der ihn blitzartig an die federgefüllten Kissen
seiner Jugend erinnerte, die noch nicht so lange zurück lag, wie er sich selber
häufig einredete.
Mit seiner Landung verging auch die Dunkelheit und machte einem Gemisch aus Licht
und Schatten Platz, dessen Ursache sich zunächst nicht zeigte. Hutzel gewann
den Eindruck im Schatten von Bäumen zu stehen, aber er täuschte sich
gewaltig. Was er direkt auf Augenhöhe vor sich sah, waren zwei gigantische
Füße. Er ließ seinen Blick langsam in die Höhe schweifen,
hinauf und immer höher. Die riesige Gestalt schien kein Ende zu nehmen.
Über den Schultern sah er zwei rote Hörner überragen. Furcht empfand
er keine. Just in diesem Augenblick ging ihm dieser Zustand bewusst auf, und er
musste darüber kichern.
Dieser Laut verwandelte das vermeintliche Standbild in einen Krieger, der sein
Schwert zog und seinen Schild in Abwehrhaltung zu beiden Seiten schwenkte. Freilich
geriet nichts Gefahrvolles in sein Blickfeld.
Hutzel rührte sich nicht von der Stelle, legte seinen Kopf stattdessen weit in
den Nacken und folgte dem Schauspiel, von dem er annahm, dass es ein Sterblicher
nicht oft zu sehen bekam.
»Hallo?« sagte er und wusste sogleich, dass seine Stimme sehr piepsig
klingen musste und der Riese ihn bestimmt nicht hörte.
Die Annahme stellte sich sogleich als falsch heraus, denn der Riese wandte den Kopf,
duckte sich leicht, einen Angriff erwartend.
Das fand der kleine Krieger wieder so lächerlich, dass er nicht anders konnte,
als laut aufzulachen. Der Riese bewegte sich, meinte er doch den Feind hinter sich
gehört zu haben und schwang herum. Um Haaresbreite entging Hutzel einem der
Füße, der ihn mit Leichtigkeit hätte zertreten können. Er
wollte sich nicht einer weiteren Gefahrensituation aussetzen.
»Hier unten!«
Wahrhaft irritiert senkte der riesige Krieger den Kopf, nur um einen rothaarigen
Wicht zu seinen Füßen stehen zu sehen, der ihm leicht schüchtern und
mit einem amüsierten Grinsen zuwinkte.
»Hallo?«
»Was bist du? - Wer bist du?« schrie der Gigant.
Die Wucht des Ausrufs trieb den kleinen Krieger zu Boden. Während er sich noch
seine empfindlichen Ohren hielt, richtete sich eine goldene Klinge auf ihn.
»Wer bist du?«
Hutzels Gesicht spiegelte sich in der Spitze des Schwertes. Eine kreisrunde Fratze
mit Glupschaugen und einem irren Ausdruck schaute ihm entgegen. Nun geriet sein
Lachen zu einem Kreischen.
»Larus befiehlt dir zu antworten, du Wicht!«
»Haaaaah!« Der kleine Krieger schüttelte sich in einem wahnsinnigen
Lachkrampf. Schmerzen durchzuckten ihn vom Bauche her, das Dröhnen der Stimme
des Riesen stach durch seinen Kopf und trotzdem fühlte sich Hutzel im Herzen
eines gelebten Scherzes. Er lachte, lachte und lachte. Er lachte noch immer, als die
Spitze der Klinge ihn mit der flachen Seite an der Schulter traf und erneut hinfort
schleuderte.
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