Zwischenspiel: Das Attentat - Teil 1 von 2
Dreggen Soi II. hatte Rotan zu sich befohlen. Der alte Recke jedoch war dem Befehl nicht nachgekommen,
weniger, weil tatsächlich eine Attentatsabsicht hinter seinem Mitbringsel steckte, sondern da er
sich im Vollrausch befunden hatte. Nicht einmal der Befehl zum Aufstehen wäre ausführbar
gewesen.
Der König indes wertete diese Pflichtvergessenheit ganz anders! Doch selbst im Reiche der Dreggen
war eine Verurteilung wegen eines bloßen Verdachtfalles nicht der gangbare Weg. In solchen
Fällen - wenn Zorn und falscher Instinkt alles andere überragte - bediente man sich
professioneller Mörder.
Der Odem des Drachen. Von Geheimnissen umrankt, in den Schatten lebend, bestand der Assassinen-Orden
angeblich aus untoten Priestern einer vergangenen Religion. Gerüchte wuchsen im Leuchtenden Hort
wie Unkraut und waren ebenso unausrottbar. Dreggen Soi II. war es gleich. Schwerer wiegte die Tatsache
ihrer Existenz und ihre bewiesene Aussage, einen Auftrag immer auszuführen. Der König wartete
nicht. Über die üblichen Personen wechselte ein Pergament mit dem Wappen des Königs und
einem Namen darauf den Besitzer.
Dunkle Gassen waren im Leuchtenden Hort selten und dennoch begehrte Ziele. Soldaten fanden dort billiges
Vergnügen und billigen Wein. Rotan liebte diese heruntergekommenen Schenken. Hier war er unter
seinesgleichen mit vielen Kriegern, die mit ergrautem Haar von Schlachten erzählten. Als er unter
einem Tisch inmitten einer saufenden Horde Männer erwachte und ihm der Kopf dröhnte, ahnte er
nicht, wer ihn bereits draußen erwartete.
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