Keine Gnade
Die Besucher der Arena von Gre'Affan, der letzten verbliebenen Stadt des untergegangenen Reiches der
Gardan'Gre, gerieten an den Rand der Raserei. Schmale gelbe Stoffstreifen regneten auf den roten Sand des
Innenraumes. Gelb hatte verloren. Der darauf verzeichnete Name des Gladiators bedeutete nicht Tod, sondern
den Verlust von Tages- oder Wochenlöhnen. Als einige alte Männer den Leichnam des Verlierers auf
einer Bahre an den Rängen vorbei trugen, spuckten die vorderen Schaulustigen über die
Brüstung, trafen aber zumeist nur die bedauernswerten Träger.
Unter den Besuchern, die sich aus Dreggen der verschiedenen Provinzen zusammensetzten, wimmelten
Taschendiebe und Wetteintreiber umher. Mancher Glückliche winkte seinen Wetteintreiber mit einem
blauen Stoffband heran - der Farbe des Gewinners. Flüche waren zu hören, über Taktiken
wurde diskutiert, was hätte dieser schmächtige Verlierer anders machen sollen. Einer rief, aus
Tomcall wäre noch nie ein guter Kämpfer gekommen, nur Piraten und Verräter und die
würden bekanntlich nie gut kämpfen. Dreggen aus der Kernprovinz Materwall pflichteten dem Rufer
bei, Besucher aus Tomcall hoben wutentbrannt ihre Fäuste. Es waren die üblichen
Verhaltensweisen. Leben zählte in der Arena nur, wenn es Geld einbrachte, je mehr, je besser.
Eines der Arenatore zum Westen hin öffnete sich. Heraus schritt, sorgsam und edel gekleidet, ein
Hohepriester des Gottes Gre. Buh- und Schmährufe erklangen. Die Menge erwartete eine Predigt, eine
Bitte um Spenden für den Tempel, für sie nutzloses Pausengeschwätz, für die Priester
eine bittere Pflicht, während derer sie mit faulem Obst und Gemüse beworfen wurden.
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