Chalia-Isla oder Der Wettstreit der Erzähler
Die kleine Stadt Chalia-Isla liegt am nordwestlichen Rand der Provinz Zorp. Der
grüne Küstenstreifen, der die Stadt umgibt, wirkt malerisch, wie von den
Göttern persönlich geschaffen. Die Stadt lag dereinst im Zentrum des
Erbfolgekrieges und gilt noch heute als die letzte Bastion derer, die lieber den
Bruder des Königs auf dem Thron des Dreggen-Reiches sähen. Die Schifffahrt
ist für die Stadt nicht nur überlebenswichtig, sondern hat er auch sehr zu
ihrem Flair und ihrer Lebensart beigetragen. Chalia-Isla ist im ganzen
Königreich für ein Ereignis besonders berühmt:
Der Wettstreit der Erzähler.
Einzig die Feiern zum Geburtstag des Königs konnten eine ähnliche
Aufregung unter der Bevölkerung verursachen. Ganz gleich, ob die Bürger
den Monarchen liebten oder hassten, eine Feier riss sie aus dem Alltag. Der
Wettstreit der Erzähler jedoch reichte weiter. Von überall her
strömten die Besucher in die Stadt hinein. Auf jedem größeren Platz
versammelten sich Dreggen, Treefnoks, vereinzelte Gardan'Gre, Darcoluuns, mitunter
auch Wuffel, so manche Katze und sogar Vampirelfen tauchten in der Menge unter.
Wenige Tage herrschte eine friedliche Stimmung unter den Einwohnern. Räuber und
Langfinger hielten sich zurück, Wucherpreise, bei anderen Feiern an der
Tagesordnung, gab es keine.
Alle warteten auf die phantasievollen Geschichten der
besten Erzähler im ganzen Land. Manche der Besucher hatten wochenlange Reisen
auf sich genommen, nur um bei diesem Ereignis zugegen zu sein. Die Größe
des Ereignisses sorgte unter den teilnehmenden Erzählern für ebenso
große Rivalität. Gemäß der Tradition durften die fünf
Gewinner des Vorjahres die besten Erzählplätze im Losverfahren unter sich
ausmachen. Die übrigen Erzählplätze wurden von den Ältesten der
Stadt zugewiesen. Natürlich lagen die besten Plätze nahe der Küste
und des Hafens. Eine abendliche Brise vom Meer sorgte bei den Zuhörern für
mehr Wohlwollen, während in der Innenstadt die Besucher zwischen den
Häusern saßen und von der Hitze, die von den Steinmauern nach einem
heißen Sommertag abgegeben wurde, gequält wurden.
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